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Howto: Wie erstelle ich eine gelungene Hochzeitszeitung? (Teil 1)

Eine kleine Auswahl der Hochzeitszeitungen, die ich in den vergangenen Jahren (mit)gestaltet habe.

Ich liebe Hochzeiten und erinnere mich an jede einzelne, die ich besuchen durfte, sehr gerne zurück. Die schönsten Erinnerungen habe ich aber natürlich an unsere eigene Hochzeit. All die Überraschungen und besonderen Augenblicke mit den liebsten Menschen unseres Lebens haben sich in einen Platz ganz tief in meinem Herzen gesichert. Eine Erinnerung, die sich auch fünf Jahre nach der Hochzeit noch einfach in die Hand nehmen lässt, ist unsere Hochzeitszeitung. Ich liebe es, in ihr zu blättern und denke, jedem Brautpaar, das eine gelungene Hochzeitszeitung überreicht bekommt, geht es genau so. Darum soll es in diesem und den folgenden drei Blogbeiträgen um das große Thema Hochzeitszeitung gehen.

Seit der Hochzeit meiner Cousine Brigitte im Jahr 2008 habe ich regelmäßig die Ehre, mit der Erstellung oder der Mitarbeit bei den Hochzeitszeitungen für die Trauungen meiner Verwandten und Freunde betraut zu werden. Ich möchte Euch an meinem Erfahrungsschatz teilhaben lassen und ein paar Tipps geben, wie auch Ihr eine gelungene Hochzeitszeitung gestalten könnt.

Als erstes sprechen wir über das Redaktionsteam und mögliche Stile für Eure Hochzeitszeitung. Was das Team angeht, möchte ich gleich schon mal ein großen Dank voranschicken: Bei den jüngsten Ausgaben habe ich mit meiner Freundin Ann-Kathrin zusammengearbeitet, die Graphikerin ist. Vielen Dank, wir sind ein unschlagbares Team!

Hochzeitszeitung – so wird’s was:

1. Das Redaktionsteam

Du bist der Chefredakteur. Als solcher hältst Du die Fäden für das gesamte Projekt in der Hand. Doch niemand sagt, dass Du deswegen alles alleine machen musst. Stelle Dir ein Team zusammen, das Dich zuverlässig unterstützt – und Dich keinesfalls ausbremst. Je mehr Seiten Du in fremde Hände gibst, desto abhängiger bist Du von der Zuarbeit. Deswegen solltest Du Dir genau überlegen, wer in Dein Redaktionsteam kommt. Ganz oben auf der Liste stehen hier (wenn Du‘s nicht selber bist) die Trauzeugen. Oft sind sie die besten Freunde des Brautpaars und kennen die beiden als solche sehr gut, was sie zumindest schon mal als Ideengeber für die Hochzeitszeitung und als Lieferanten für witzige Anekdoten und Fotos qualifiziert. Auch die Geschwister des Brautpaars bieten sich aus den genannten Gründen an. Sie verfügen zudem über Zugang zu Baby- und Familienfotos. Wichtig ist, dass gegenüber allen, die Inhalte beisteuern sollen, eine rechtzeitige Deadline kommuniziert wird. Rechnet für das Erstellen der Hochzeitszeitung ca. zwei bis drei Monate ein. Ungefähr einen Monat vor der Hochzeit sollten alle Inhalte angeliefert sein, damit noch genügend Zeit für Layout und Druck bleibt.

Die Zusammenarbeit mit dem Team: Bei meiner ersten Hochzeitszeitung für Brigitte und Stefan haben wir uns im Team über mehrere Samstage getroffen, uns kreativ ausgetobt, gemeinsam getextet, Fotos zusammengesucht und nachher sogar alles noch direkt am Laptop für den Druck fertiggemacht. Wir hatten einen Riesenspaß und haben diese Abende beim ein oder anderen Gläschen ausklingen lassen…

Dieser Idealfall dürfte die Ausnahme sein: Oft lässt es die begrenzte Zeit nicht zu oder die Redaktionsmitglieder wohnen zu weit auseinander, um sich regelmäßig zu treffen, so dass die meiste Arbeit online abläuft. Aber vielleicht ist doch zumindest ein persönliches Kick-off Meeting möglich, bei dem über die Ausrichtung der Zeitung gebrainstormt werden kann, denn damit kommen wir zu einem wichtigen Punkt:

2. Der Stil

Für die Hochzeitszeitung meiner Freundin und damaligen Arbeitskollegin Nadine war der Stil schnell klar: Sie war Redakteurin der Zeitschrift “CLIPS”, so dass wir diese als Vorlage genommen und in eine “Wedding-Edition” verwandelt haben.

Viele Hochzeitszeitungen nennen sich „Hochzeits-Express“, „Hochzeit Sonderausgabe“ oder „Schorsch und Ursel – Die Traumhochzeit“. Kann man machen. Viel persönlicher aber ist es, sich schon bei der Wahl des Namens von den Eigenheiten des Brautpaars leiten zu lassen. Überlege Dir also: Welche gemeinsamen Hobbys haben die beiden? Was macht das Brautpaar aus? Wodurch unterscheiden sich die beiden von anderen?

Braut und Bräutigam könnten „Das perfekte Dinner“ gewinnen? Dann lasst Euch vom Thema Küche/Essen leiten und zieht die Hochzeitszeitung als Koch- oder Rezeptebuch auf. Bittet zum Beispiel die eingeladenen Gäste, ihr Lieblingsrezept mit Bild zu schicken und überreicht dem Brautpaar so ein Familienkochbuch.

Die beiden Verliebten tingeln auf Reisen durch die ganze Welt? Super, dann wird die Hochzeitszeitung ein Reisemagazin. Vielleicht mit den geheimen Reisetipps aller Gäste? So haben Braut und Bräutigam für ihre Ehe schon eine große Auswahl an potentiellen Reisezielen.

So könnte eine Doppelseite für ein Hochzeits-Reisemagazin aussehen. Für unsere Freunde Yvonne und Greg haben wir Formentera als Reisetipp gegeben.

Oder sind abenteuerliche Trekkingtouren und Trips in die Natur die große Leidenschaft Eures Brautpaars? Veröffentlichungen im Stil des „outdoor“-Magazins oder von „National Geographic“ bieten sich dann an. Am besten gleich ein paar Zeitschriften beim Kiosk holen und sich von den Rubriken und Beiträgen inspirieren lassen!

Für die Hochzeitszeitung von meiner Schwägerin Nadine mit meinem Cousin Benny haben wir uns von Abenteuer- und Outdoor-Titeln inspirieren lassen. Die beiden sind extrem sportlich auf der ganzen Welt unterwegs – gerade übrigens in Costa Rica und Ecuador.

Eventuell sind Eure Turteltäubchen auch gar nicht so sehr durch ein Hobby verbunden, sondern zeichnen sich eher durch ein auffälliges Auto oder einen besonders modischen Stil aus? Dann wird‘s eben eine Motorsport- oder Fashion-Zeitschrift! Oder ein Tiermagazin, eine Computerzeitschrift, etwas Richtung „Schöner wohnen“, „LandLust“ – oder ein TV-Magazin. Eurer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Hauptsache, es passt zu den beiden!

Achtung! Wenn Ihr Euch für eine Zeitschrift entscheidet, bei der viele Gäste einzelne Seiten beitragen sollen (wie das Rezepte- oder Reisemagazin), achtet unbedingt auf eine frühzeitige Deadline! Erfahrungsgemäß muss man viel erinnern und appellieren, bis man alle Beiträge zusammenhat. Und Ihr braucht logischerweise eine Gästeliste, am besten mit Email-Adressen und Telefonnummern, um die Beiträge anzufragen.

Ihr könnt es Euch einfach machen und die Gäste die einzelnen Seiten fertig anliefern lassen. Stellt Euch dann aber darauf ein, dass Ihr einen wilden Stilmix habt und Onkel Rudolfs Seite wahrscheinlich per Fax oder Post bei Euch eintrudelt und dann von Euch eingescannt werden muss. Harmonischer wird‘s wenn Ihr Euch nur Text und Fotos schicken lasst und das Layout dann „aus einem Guss“ macht. Mehr Arbeit für Euch – aber auch ein deutlich schickeres Ergebnis.

Nächste Woche geht es in dem Blog um Fotos, die Ihr für die Hochzeitszeitung verwenden könnt und um das Thema Layout. Wenn Ihr schon Fragen dazu habt, die Ihr gerne beantwortet haben möchtet, benachrichtigt mich unter mail[at]hamburger-textwerk.de.

Howto: Wie erstelle ich eine gelungene Hochzeitszeitung? (Teil 2)

Im heutigen Blogbeitrag besprechen wir, welche Bilder Ihr in die Hochzeitszeitung nehmen könnt, woher Ihr sie bekommt und wie Ihr sie besonders ansprechend abbildet. Außerdem geht es um das große Thema Layout und den Umfang der Hochzeitszeitung.

3. Die Fotos

Für dieses Cover hat die Graphikerin Ann-Kathrin ein schönes privates Pärchenfoto von Lena und Felix verwendet.

Das Cover

Sieht man sich Vorlagen für Hochzeitszeitungen an, stolpert man überraschend oft über einen eigentlich offensichtlichen Fehler: Auf dem Cover ist ein Bild des Brautpaars am Hochzeitstag zu sehen. Ähm… die Zeitung wird VOR der Hochzeit gedruckt – das dürfte also unmöglich sein. Einzige Ausnahme: Die Hochzeit findet an mehreren Terminen statt, beispielsweise die standesamtliche Hochzeit drei Wochen vor der kirchlichen. Dann kann es noch klappen, ein Foto vom ersten Termin auf die Zeitung zu bekommen. Wird aber selten sein.

Darum: Versucht, ein möglichst schönes oder auch witziges Pärchenfoto von den beiden zu bekommen. Vielleicht haben sie ja mal ein Shooting gemacht – eventuell für die Hochzeitseinladungen? Oder die beiden haben im Urlaub oder auf einer Feier in die Kamera gelächelt? Notfalls macht selbst ein Bild vom Brautpaar; und zwar unbedingt im Hochformat.

Die Innenseiten

Für die Innenseiten ist es toll, wenn Ihr eine möglichst große Auswahl an Fotos von verschiedenen Quellen habt. Fragt also gerne die Familienmitglieder nach Baby- und Kinderfotos und unterschiedliche Freunde nach Schnappschüssen. So habt ihr eine vielseitige Sammlung zusammen und könnt die einzelnen Beiträge unterschiedlich bebildern. Falls Ihr nur wenige Fotos bekommt, ist es immer auch eine Möglichkeit, das Brautpaar selbst nach zusätzlichen Bildern zu fragen. Da werdet Ihr dann allerdings wenig „schön peinliches“ geliefert bekommen. Was schade ist, denn ich finde ja, ein bisschen „leiden“ muss das Brautpaar… Und der Überraschungseffekt bei den beiden ist natürlich auch größer, wenn sie in ihrer Hochzeitszeitung Bilder entdecken, die sie noch nie gesehen haben.

Bedenkt: Die Optik Eurer Zeitung steht und fällt mit dem Fotomaterial. Natürlich werden nicht alle Fotos Profiqualität haben, aber achtet möglichst darauf, keine zu unscharfen und schlechten Bilder zu verwenden – oder diese dann zumindest nicht ganz so groß abzudrucken.

Und lasst Euch die Fotos lieber nicht per WhatsApp schicken, sie kommen dann in komprimierter Größe an und sind für den Druck nicht mehr optimal. Besser per Mail oder bei großen Datenmengen über Filehosting-Dienste wie WeTransfer. So bekommt Ihr Fotos in guter Qualität, womit es möglich wird, ein besonders schönes Bild zum Beispiel auch mal ganzseitig abzudrucken und es so von vielen kleineren Fotos abzuheben. Mit diesen Highlights erreicht Ihr eine tolle Spannung im Layout.

In der Hochzeitszeitung von Nadine und Michi wechseln sich Seiten mit ganzseitigen Fotos…
… mit Seiten mit kleinen Fotos ab. Das ergibt eine tolle Spannung im Layout.

Achtet beim Einarbeiten der Fotos auch auf den Bildausschnitt! Die Flaschen im Hintergrund auf dem Party-Schnappschuss könnt Ihr ebenso abschneiden wie den unbekannten Passanten auf dem Urlaubsfoto. Noch mehr Tipps zum Layout gibt‘s im nächsten Punkt:

4. Das Layout

Online gibt es tolle Layout-Vorlagen, mit denen Ihr bequem Eure Hochzeitszeitung gestalten könnt. Hier Beispiele von www.sendmoments.de.

Wie erwähnt, habe ich das große Glück, dass ich bereits bei drei Hochzeitszeitungen mit meiner Freundin Ann-Kathrin zusammenarbeiten durfte, die Graphikerin ist. Selbst ein Gestaltungsgenie zu sein und professionelle Software auf dem Rechner zu haben oder sich wie ich über einen Mediendesigner im Freundeskreis freuen zu dürfen, ist natürlich ideal. Aber wohl auch oft die Ausnahme. Für diesen Fall gibt es mittlerweile im Internet tolle Vorlagen, mit denen man eine individuelle Hochzeitszeitung auch als Laie einfach gestalten kann (siehe Linkliste unten).

Wichtig: Lasst Euch von den Vorlagen nicht dazu verleiten, zu wild zu gestalten, wenn Ihr ein möglichst harmonisches Endprodukt haben wollt. Also nicht zu viele verschiedene Schriftarten (Richtwert: maximal 3) und -größen verwenden und mit dem Einsatz von Farben eher sparsam sein und auch hier auf Harmonie achten. Wenn Ihr das Farbschema für die Hochzeit schon kennt, könnt Ihr Euch davon inspirieren lassen.

Beim Format empfiehlt es sich, A4 zu wählen. Alles andere bedeutet einen immensen zusätzlichen (finanziellen) Aufwand, sowohl bei der Gestaltung als auch beim Druck und Versand.

Hier findet Ihr eine Auswahl von Designvorlagen für Hochzeitszeitungen:

5. Der Umfang

Bis jetzt haben wir viel über die Optik gesprochen; kommen wir nun zum Inhalt Eurer Hochzeitszeitung.

Zu Beginn ist es sinnvoll, sich einen groben Seitenplan zu machen. Schreibt Euch auf, welche Beiträge Ihr schon im Kopf habt und schätzt ein, wie viel Platz diese etwa benötigen werden. So könnt Ihr in etwa ausrechnen, wie viele Seiten die Hochzeitszeitung am Ende haben soll. Ich finde, mit 28 Seiten seid Ihr schon sehr gut dabei. Wenn Ihr besonders viele tolle Ideen und Bilder habt oder zahlreiche Gäste einzelne Seiten anliefern, können es auch 48 oder 52 Seiten werden.

Ihr könnt natürlich auch erstmal Beiträge sammeln und am Schluss schauen, wie dick Eure Zeitung wird. Eventuell braucht Ihr dann noch ein paar Füllerseiten, zum Beispiel mit Fotos, denn:

Die Seitenzahl muss für den Druck produktionsbedingt durch 4 teilbar sein! Wenn Ihr eine Vorlage aus dem Internet nutzt, wird dies direkt mitberücksichtigt, wenn Ihr frei gestaltet, müsst Ihr daran unbedingt denken.

Nächste Woche kommen wir im Blog dann endlich zum Thema Inhalt. Ich gebe Euch ein paar Ideen an die Hand, mit welchen Rubriken Ihr die Hochzeitszeitung füllen könnt und liefere Euch auch ein paar mögliche Interviewfragen. Wenn Ihr schon Fragen dazu habt, die Ihr gerne beantwortet haben möchtet, benachrichtigt mich unter mail[at]hamburger-textwerk.de.

Howto: Wie erstelle ich eine gelungene Hochzeitszeitung? (Teil 3)

Heute geht es im Hochzeitszeitungs-Blog um das große Thema Content. Was soll nun also drinstehen, in Eurer Hochzeitszeitung? Wie sieht der Inhalt aus? Wie können sich Gliederung und mögliche Rubriken gestalten?

6. Der Content

Ich finde es, wie erwähnt, besonders schön, wenn die gesamte Zeitung den Charakter des Brautpaars widerspiegelt und damit auch den Ton der beiden trifft. Und wie gesagt: Meiner Meinung nach kann man das Brautpaar auch ruhig ein bisschen hochnehmen – so viel Spaß muss sein.

Bedenkt dabei aber trotzdem: Die Zeitung wird von den Hochzeitsgästen gelesen, und da ist vielleicht eine besonders konservative Tante Inge darunter oder Arbeitskollegen, denen Braut und Bräutigam in einem seriösen Umfeld tagtäglich unter die Augen treten müssen. Wahrt also immer die Grenzen des guten Geschmacks, sowohl bei der Fotoauswahl als auch bei den abgedruckten Anekdoten! Die Zeitung soll lustig sein, aber das Brautpaar nicht lächerlich machen.

Nachfolgend schlage ich Euch einige mögliche Rubriken vor. Diese sind aber natürlich kein Muss; Ihr könnt Eure Hochzeitszeitung inhaltlich auch ganz anders aufziehen.

Inhaltsverzeichnis

Wenn Ihr möchtet, könnt Ihr Eurer Hochzeitszeitung ein Inhaltsverzeichnis voranstellen. Ich finde es nicht unbedingt notwendig, aber es bietet sich manchmal an, um noch fehlende Seiten zu füllen. Wenn Ihr ein Inhaltsverzeichnis anlegt, müsst Ihr Eure Zeitschrift durchpaginieren, das heißt, Seitenzahlen verwenden. Erfahrungsgemäß sind das aber Fehlerquellen, wenn manchmal gegen Ende der Produktion die Reihenfolge der Beiträge nochmal geändert wird. (Weil etwa Onkel Horst nun doch noch eine Seite mit Kindheitserinnerungen über den Bräutigam anliefert, die dann weiter vorne stehen sollte.) Deswegen das Inhaltsverzeichnis immer erst ganz am Schluss fertigmachen und nochmal checken, ob die Seitenzahlen stimmen.

Vorwort/Editorial

Hier könnt Ihr ein paar persönliche Worte an das Brautpaar und die Leser richten. Bietet sich auch an, um sich bei den Mitarbeitern der Zeitung zu bedanken und zu erklären, wie Ihr auf die Ausrichtung der Hochzeitszeitung gekommen seid.

Vorwort für die Hochzeitszeitung von Sonja und Markus.

Die Braut / Der Bräutigam

Es ist schön, Braut und Bräutigam zu Beginn der Zeitung erstmal einzeln vorzustellen, bevor es im weiteren Verlauf mehrheitlich um das Paar gehen wird. Diese Seiten sind auch der richtige Ort für Kinderfotos und für einen lustigen Steckbrief, in dem schon mal die Eigenheiten der Eheleute thematisiert werden können.

Die Hochzeitszeitung von Nadine und Benny haben wir als Outdoor-/Naturmagazin aufgezogen und die Vorstellung der Braut dazu passend im “wissenschaftlichen” Stil verfasst.

Stammbaum

Es kann für die Leser interessant sein, die Familien von Braut und Bräutigam kennenzulernen. Hierbei ist es toll, wenn Fotos der Eltern und Großeltern vorliegen. Wenn Ihr außerdem Geschwister aufnehmen möchtet, wird der Baum natürlich größer, Ihr benötigt mehr Platz und noch mehr Bilder. Aber: Ein Stammbaum ist nur dann eine gute Idee, wenn die Familien noch intakt sind und ein gutes Verhältnis zwischen den Mitgliedern besteht. Die Eltern der Braut sind geschieden und haben wieder neue Partner? Dann lasst diese Seite vielleicht lieber weg…

Das Interview mit den Schwiegereltern

Wenn die Brautleute ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern und Schwiegereltern haben, bietet es sich an, die Mamas und Papas zu interviewen. Denn diese haben oft eine sehr amüsante Sicht auf die Dinge und mit Sicherheit auch die ein oder andere lustige Anekdote in petto.

In die Hochzeitszeitung von Sabrina und Martin haben wir ein Interview mit den Schwiegereltern integriert.

Das Interview mit den Brautleuten

Witzig ist es, ein „Getrennt voneinander befragt“ in der Zeitung zu haben. Schnappt Euch dazu Braut und Bräutigam separat und stellt ihnen die gleichen Fragen. Immer wieder lustig, wie unterschiedlich doch die Blickwinkel, Erinnerungen und Zukunftsvorstellungen sind. Und für das Brautpaar auch besonders spannend, was der Partner wohl geantwortet hat.

Mögliche Fragen könnten sein:

– Wie habt Ihr Euch kennengelernt?

– Wie war der erste Eindruck?

– Wann und wo war der erste Kuss?

– Und wer hat dabei den ersten Schritt gemacht?

– Wann ist Euer Jahrestag?

– Beschreibe Deinen Partner in 3 Worten!

– Was ist Dein Leibgericht und was ist das Leibgericht Deines Partners?

– Wann und wo war Euer erster gemeinsamer Urlaub?

– Was schätzt Du an Deinem Partner am meisten?

– Was würdest Du an Deinem Partner gerne ändern?

– Womit bringst Du Deinen Partner auf die Palme?

– Wer macht nach einem Streit den ersten Schritt zur Versöhnung?

– Was war der schönste Moment in Eurer Beziehung?

– Wie viele Kinder möchtet Ihr haben?

– Wo möchtest Du alt werden?

Nadine und Michi nahmen das “Getrennt voneinander befragt” mit viel Humor und gaben bereitwillig Antworten – ein Traum für jeden Interviewer.

Die Lovestory

Wie haben sich die beiden kennengelernt? Was waren besondere Meilensteine in der Beziehung? Die Liebesgeschichte kennen sicher die wenigsten Hochzeitsgäste im Detail, so dass diese Seiten sehr spannend sein können. Am besten, Ihr fragt die Brautleute in den Monaten und Wochen vor der Hochzeit unauffällig aus. So bekommt Ihr die authentischsten Antworten.

Die Lovestory von Lena und Felix begann in der Bahn: “Die Liebe in vollen Zügen…”

Der Heiratsantrag

Wer hat wen wo gefragt? War‘s klassisch beim romantischen Abendessen, aufwendig während der Fahrt im Heißluftballon oder über die Leinwand im Kino? Das wird die Gäste auf jeden Fall interessieren!

Die Hochzeitsoutfits

Oftmals werden die Trauzeugen gebeten, bei der Auswahl des Hochzeitsanzugs und des Brautkleids dabei zu sein. Das ist DIE Gelegenheit, um vom ausgewählten Outfit Fotos zu machen und diese dann in der Zeitung abzudrucken. Verbunden mit ein paar Mode-Fachbegriffen und einer netten Geschichte rund um den Shopping-Tag kann hieraus ein interessanter, unterhaltsamer Beitrag entstehen – wenn er denn zum Stil der restlichen Hochzeitszeitung passt.

Nadine hatte mich als Trauzeugin in viele Details ihres Outfits eingeweiht, so dass wir eine schöne Seite daraus gestalten konnten.

Hinter den Kulissen

Wenn die Trauzeugen auch bei der Auswahl des Blumenschmucks beim Floristen dabei sind oder bei der Weinprobe im Restaurant, kann auch ein Backstage-Report über die Hochzeitsvorbereitungen entstehen. Mit Sicherheit gibt es hier auch Witziges und Interessantes zum Plaudern aus dem Nähkästchen. Oder Stolperfallen, über die das Brautpaar im Nachhinein lachen kann.

Die Junggesellenabschiede

Ja ja, what happens in Vegas, stays in Vegas, aber ein bisschen was kann man doch erzählen über „die letzten Abende in Freiheit“. Für die witzig geschriebenen Texte sollte man schon vor den Junggesellenabschieden jeweils einen Reporter bestimmen, damit dieser ein paar gute Fotos macht und die Highlights später schriftlich festhalten kann.

Sabrinas Junggesellenabschied führte uns damals nach Köln. Wir erlebten hier genug, um gleich mehrere Seiten damit zu füllen.

Liebe ist… oder Wussten Sie schon, dass…?

Sie bringt ihm sonntags Brötchen ans Bett? Er hat extra Spanisch gelernt, um sich mit ihrer Familie unterhalten zu können? Er geht ihm zuliebe mit auf die Radtour, obwohl er Fahrradfahren eigentlich hasst? Hier könnt Ihr schöne, witzige, romantische Anekdoten um die beiden sammeln.

Unter der Headline “Wussten Sie schon, dass…?” können witzige kleine Anekdoten über das Brautpaar in kurzen, knackigen Texten untergebracht werden.

Kleinanzeigen

„Suche Hund, der selbst Gassi geht, damit mein Mann ausschlafen kann.“ „Verschenke die Tupperware-Sammlung meiner Frau, damit unser Küchenschrank wieder zugeht.“ Und so weiter: Auch bei der Suche-Biete-Seite könnt Ihr die Eigenheiten Eures Brautpaars zelebrieren.

Hochzeitsrätsel

Es gibt online Kreuzworträtsel-Generatoren, in die Ihr witzige und individuelle Fragen über das Brautpaar einfließen lassen könnt.

Füllerseiten

„Rezept für eine glückliche Ehe“, „Hochzeitshoroskop“, „Ehejubiläen“ usw. Online findet Ihr eine Vielzahl an fix und fertigen Texten, mit denen Ihr die Zeitung voll machen könnt. Ich persönlich halte diese Beiträge allerdings für wenig unterhaltsam. Solltet Ihr wirklich noch Füller benötigen, um auf eine bestimmte Seitenzahl zu kommen, gestaltet lieber Fotoseiten.

Impressum

Hier bietet es sich an, das Redaktionsteam vorzustellen – gerne mit Fotos und kurzen, witzigen Infotexten.

Ausblick

Das Brautpaar bei der Silberhochzeit. Werft einen Blick in die Zukunft und malt Euch für die Eheleute aus, was sie wohl in 25 Jahren machen.

Einen Ausblick auf die nächsten 25 Jahre habe ich für Euch nicht, aber mit nächster Woche kann ich dienen: Im vierten und letzten Teil dieses Blogs beschäftigen wir uns mit dem Lektorat, dem wichtigen Thema Druck und dem Verkauf der Hochzeitszeitung. Solltet Ihr bis hierhin schon Fragen oder Anregungen haben, kontaktiert mich gerne über mail[at]hamburger-textwerk.de

Howto: Wie erstelle ich eine gelungene Hochzeitszeitung? (Teil 4)

Der heutige Beitrag erklärt Euch, wie Eure Zeitschrift perfekt durchs Lektorat kommt, wo und wie Ihr sie am besten drucken lasst und natürlich auch, wie Ihr Euer fertiges Werk an die Hochzeitsgäste und das Brautpaar bringt.

7. Das Lektorat

Auch wenn Ihr denkt, dass niemand so stilsicher in Rechtschreibung und Kommasetzung ist wie Ihr: Lasst einen Dritten das Korrekturlesen der Zeitung übernehmen. Bei Texten, die Ihr selbst geschrieben oder redigiert habt, seid Ihr blind für Fehler. Und plant mehr als eine Korrekturschleife ein. Arbeitet die Korrekturen ein, druckt dann wieder aus, lasst erneut lesen. Und zwar möglichst so lange bis keine Fehler mehr gefunden werden. Dies ist nötig, da durch Korrekturen neue Fehlerquellen, zum Beispiel bei Zeilenumbrüchen, entstehen können.

8. Der Druck

Am komfortabelsten ist es, Eure Hochzeitszeitung in einer der zahllosen Online-Druckereien drucken lassen. Der kostenpflichtige Datencheck, der hier oftmals angeboten wird, bietet sich an, um typische Fehler zu vermeiden: zum Beispiel, dass Text außerhalb des Satzspiegels steht und dann eventuell beim Druck abgeschnitten wird. Oder dass der Beschnitt bei einzelnen Seiten fehlt und dann helle Blitzer am Seitenrand zu sehen sind. Um dies zu verhindern, musst Du die Bilder, die am Rand der Seite stehen, 3 Millimeter über den Seitenrand hinausragen lassen.

Die Druckkosten hängen von der gewählten Papierart, der Druckqualität und dem Seitenumfang ab. Um auch haptisch einen wertigen Eindruck für die Hochzeitszeitung zu erreichen, sollten die Innenseiten auf 100-135 g Papier gedruckt sein, für den Umschlug wählt am besten 170-250 g Papier. Ob hochglänzend oder matt ist Geschmackssache und hängt auch von der übrigen Gestaltung der Zeitung ab.

Plant für den Druck genug Zeit ein: Bei Online-Druckereien sind bis zu zwei Wochen Bearbeitungs- und Lieferzeit angegeben. Um zu wissen, wie viele Exemplare Ihr drucken lasst müsst, ist es sinnvoll, die Zahl der Hochzeitsgäste zu kennen. Pro Familie wird im Regelfall nur eine Hochzeitszeitung gekauft!

9. Der Verkauf

Nun ist es soweit – der große Tag ist gekommen und Ihr habt einen prall gefüllten Karton mit Hochzeitszeitungen unter die Leute zu bringen. Sucht Euch am besten einen Mitstreiter, der Euch beim Verkauf unterstützt. Sprecht Euch wegen des Zeitpunkts, an dem Ihr die Hochzeitszeitung verkauft, mit dem „Zeremonienmeister“, meist den Trauzeugen, ab. Es bietet sich beispielsweise an, die Zeitung zwischen den Gängen beim Essen zu verkaufen. Da sitzen alle, was es leicht macht, alle Gäste zu erwischen, indem Ihr einfach durch die Reihen geht. Und Ihr könnt auch davon ausgehen, dass noch keiner die Feier verlassen hat.

Der Preis, den Ihr verlangt, hängt normalerweise von den Druckkosten ab. Für eine gute Zeitschrift bezahlen die Hochzeitsgäste erfahrungsgemäß gerne zwischen 5,- und 10,- €. Wenn der Preis darüber hinausgeht, schrecken doch einige vor dem Kauf zurück. Betont beim Verkauf, dass der Gewinn (Einnahmen abzüglich der Druckkosten, falls die Zeitung nicht Euer Hochzeitsgeschenk ist) an das Brautpaar geht. Dann ist mit großzügigen Trinkgeldern zu rechnen. Das Brautpaar erhält in der Regel das erste, kostenlose Exemplar. Manchmal wird dieses auch versteigert und geht dann an den Höchstbietenden.

Auch nach über fünf Jahren lachen wir uns über die treffend geschriebenen Artikel in unserer Hochzeitszeitung noch immer kaputt. Nochmals vielen Dank an unsere Geschwister und Trauzeugen für unseren sagenhaft tollen “Rolling Stone”.

Wie gesagt: Zu unserer Hochzeit haben wir eine sagenhaft tolle Hochzeitszeitung bekommen – hauptsächlich von meinem Bruder Flo und meiner Trauzeugin Nadine. Über die treffend geschriebenen Artikel in unserem „Rolling Stone“ lachen wir uns immer noch kaputt. Nur die Fotoauswahl ist alles andere als schmeichelhaft. Sollte ich dahinter böse Absicht vermuten? Ich glaube, ja. Aber wie war das? Ein bisschen leiden muss das Brautpaar nun mal…

Wenn Du nach all den Tipps immer noch der Meinung bist, mit dem Konzept und Erstellen einer Hochzeitszeitung überfordert zu sein, gibt es eine Lösung: Kontaktiere mich über mail[at]hamburger-textwerk.de für ein individuelles Angebot. Das Hamburger Textwerk ist Dir gerne behilflich.

Meine Angst vor dem Ernst

Für diesen Artikel musste ich über meinen Schatten springen.

Seitdem ich schreibe, habe ich mit den unterschiedlichsten Themen befasst. Ich habe Texte über Kunstwerke geschrieben, über Konzerte, über unzählige große und kleine Events, über Friseursalons, über Verpackungsdruckmaschinen, über Gemeinderatsversammlungen, über gigantische Kosmetikkonzerne und kleine Naturkosmetik-Startups, über Pilze, über Kindergärten, über Frisurenmode und – um dieses Klischee zu bedienen – über die Ausstellung des örtlichen Kleintierzuchtvereins.

Die Liste ließe sich schier unendlich fortführen. Ich liebe diese Vielfalt, ich liebe es, im Gespräch mit Menschen in bisher für mich fremde Themen einzutauchen. Ich lerne dabei immer unendlich viel und es erweitert meinen Horizont. Ich denke auch, es hat mein Einfühlungsvermögen gestärkt, die unterschiedlichsten Perspektiven zu betrachten und sie so wiederzugeben, dass Leser sich dafür interessieren und sich informieren lassen können.

Bei allen Unterschieden haben diese Themen doch eines gemeinsam: Sie beleuchteten vorwiegend die „schönen“ Seiten des Lebens. Es geht um erfolgreiche Unternehmer, gute Musik, attraktive Freizeitmöglichkeiten, mehr oder weniger nützliche Produkte.

Natürlich ist nicht immer alles „Friede, Freude, Eierkuchen“: Es gibt kontrovers diskutierte politische Entscheidungen, über die ich ebenso kontrovers berichte, es gibt Messen und Events, die floppen, es gab und gibt unpopuläre Themen, über die ich natürlich dennoch gerne und hoffentlich ausgewogen schreibe. Diese Themen sind ernst, aber Menschen kommen in den geschilderten Situationen im Regelfall nicht zu Schaden.

Mit einer Ausnahme: Es gab – ganz zu Beginn meiner journalistischen Laufbahn – im Jahr 1999 das Sturmtief „Lothar“, welches in meiner Schwarzwälder Heimat große Schäden anrichtete und alleine am Sturmtag 13 Todesopfer forderte. Für die „Badische Zeitung“ war ich damals tagelang im völlig verwüsteten Wald unterwegs, um die erschreckende Bilanz für die Leser abzubilden. Bei aller Tragik ging es hier aber doch vorwiegend um die wirtschaftlichen Schäden. Ich sprach mit Forstwirten, mit Waldbesitzern und mit Politikern. Und nicht etwa mit Menschen, deren Leben durch den Sturm bedroht gewesen wäre. Außerdem war ich noch sehr jung und behandelte das Thema im Rückblick wohl auch mit einer guten Portion jugendlicher Unbeschwertheit.

Doch im Juli dieses Jahres war dies erstmals anders. Die Friseurfachzeitschrift „newClips“ beauftragte mich mit einer Reportage über die verheerende Flutkatastrophe. „Versuch mal herauszufinden, wie es den Friseuren im Flutgebiet geht. Schau mal, ob Du da jemanden erreichen kannst“, so lautete der „Arbeitsauftrag“ aus der Redaktion. Ich hatte einen enormen Respekt vor dieser für mich neuen Herausforderung. Mal davon abgesehen, dass es damals und bis heute schwer war, im Ahrtal jemanden telefonisch zu erreichen, hatte ich ehrlich gesagt auch Angst vor diesen Telefonaten. Diese Menschen haben zum Teil alles verloren: ihre Häuser, ihr gesamtes Hab und Gut und oftmals geliebte Verwandte oder Freunde. Von einem Tag auf den anderen wurde ihr Leben zerstört. Und die sollen nun nichts besseres zu tun haben als mit einem Pressevertreter zu sprechen? Auch noch von einer sehr neuen und daher vielfach noch unbekannten Friseurfachzeitschrift? Ich muss zugeben: Ich schob die Aufgabe eine Weile vor mir her. Ich hatte einen dicken Kloß im Hals, wenn ich daran dachte, „so nah“ an dieses Trauma herantreten zu müssen. Auch wenn es nur telefonisch sein sollte. Nach einigen Tagen gab ich mir nach einem Tipp des Herausgebers schließlich einen Ruck und rief eine mir bekannte liebe Berufskollegin an, die vor Ort und unmittelbar betroffen war. Gabis Stimme klang zwar traurig und erschöpft. Doch sie war auch gefasst, und alles, was sie berichtete, spiegelte ihren enormen bewundernswerten Tatendrang wider. Den Drang, sich nicht unterkriegen zu lassen, wieder aufzubauen, nach vorne zu sehen, nicht aufzugeben. Ihr gilt mein ganzer Respekt. Sie vermittelte mir den Kontakt zu Daniel Röber, Obermeister der Friseurinnung Ahrweiler.

Ich überwand mich also und rief den Friseurmeister an. Er war unglaublich freundlich und berichtete mit ruhiger Stimme und dennoch sehr eindringlich über die entsetzliche Situation im Ahrtal. Durch das Gespräch mit ihm war ich in der Lage, die eigentlich unfassbare Dimension dieser Katastrophe aus der Ferne besser einzuordnen – und auch für die Leser zu Papier zu bringen. Ich bemühte mich sehr, ihn nicht zu unterbrechen und hatte mir meine Fragen vorab genau überlegt, um keine Gefühle zu verletzen oder aufdringlich zu erscheinen. Und dann passierte der Fauxpas: Wie das im Home Office so ist, stürzte meine kleine Tochter mitten im Gespräch neben mir vom Stuhl und brach in lautes Geschrei aus. Ich musste Daniel Röber unterbrechen und bitten, ihn später nochmal anrufen zu dürfen. Ich fühlte mich nicht nur unprofessionell, sondern auch unsensibel. Zu meinem großen Glück schien er es mir nicht persönlich genommen zu haben. Als ich ihn um Fotos von der Flutkatastrophe bitten musste, kam ich mir wie ein rücksichtsloser Sensationsreporter vor. Doch mein Gesprächspartner kam meiner Bitte ganz unkompliziert und selbstverständlich nach.

Ich hoffe, dass mir diese für mich so schwierige Gratwanderung geglückt ist: dass ich neugierig genug war, um detailliert berichten und das Interesse der Leser wecken zu können. Und trotzdem sensibel genug, um nicht sensationsgierig zu wirken. Wenn Ihr Euch selbst ein Bild machen wollt, lest gerne meinen Artikel unter https://www.hamburger-textwerk.de/?p=276

Mein Dank gilt meinen Gesprächspartnern in den Flutgebieten. Ich wünsche Euch/Ihnen von Herzen viel Kraft in dieser schweren Situation.

Blog: Frisch vom Werk

Die Pixi-Bücher meiner Tochter erinnern mich an meine Leseanfänge. Und an einen kurzen Abstecher in eine Karriere als Klein(kind)kriminelle.

Wie mein Schreiben begann und die Leselust mich zum Dieb machte

Meine Liebe zum Schreiben hat ihren Ursprung definitiv in meiner Liebe zum Lesen. Schon als Kleinkind war ich verrückt nach Büchern. Ich wollte immerzu vorgelesen bekommen. Das führte dazu, dass ich meiner Mutter nicht unerheblich auf die Nerven ging. Ihre Lösung war, mir schon sehr früh die einzelnen Buchstaben zu erklären, so dass ich mir nach und nach selbst das Lesen beibringen konnte. Als ich eingeschult wurde, konnte ich fließend lesen.

Und ich habe wirklich alles gelesen, was man lesen konnte: den Abspann bei Fernsehsendungen, die Inhaltsstoffe auf Verpackungen, Bücher, für die ich noch zu klein war, einfach alles. Ich war süchtig nach dem Lesen.

In jeder freien Minute saß ich in meinem Baumhaus in einer Trauerweide über dem Schelgenbach und las. Natürlich konnte ich mir nicht alle Bücher neu kaufen bzw. schenken lassen. Da ich in einem kleinen Schwarzwalddorf aufwuchs, hatten wir keine Bibliothek, in der ich mir Literatur hätte leihen können. Stattdessen machte ich mir andere Lesefans zu Komplizen und lieh Bücher bei allen aus, die dazu bereit waren. Ich war ein ziemliches schüchternes Kind, und zu anderen Leuten nach Hause zu gehen, um mir Bücher zu holen, war immer eine Überwindung für mich. Doch das Lesen war es mir wert. So kam ich in die verschiedensten Haushalte unseres Dorfes und durfte mich durch die Bücherregale wühlen.

Ich fand unglaubliche Schätze, die mich in fantastische Welten entführten. Und ich liebte es.

Ich liebte das Lesen so sehr, dass es mich das erste und einzige Mal in meinem Leben zum Dieb machte: Es gab in unserem Dorf einen kleinen Lebensmittelladen, in dem auch ein Aufsteller mit Büchern stand. Als ich eines Nachmittags mit meiner Mutter beim Einkaufen war, überkam es mich. Ich steckte ein kleines Pixi-Buch aus dem Ständer ein, setzte mich ins Auto und hatte es bereits durchgelesen, als meine Mutter von ihrem Einkauf zurückkam. Ein Blick genügte, und sie hatte mich durchschaut. „Du bringst dieses Buch sofort wieder zurück“, lautete die eindeutige Anweisung. Ich flehte sie an, mir das zu ersparen, doch sie kannte kein Pardon. Ich flitzte also verstohlen zurück in den Laden und warf das Pixi schnell ins Regal zurück. Zum Glück hatte keiner meinen Diebstahl bemerkt.

Ich schämte mich dafür. Aber mein Kopf war um eine Geschichte reicher. Und das war es mir wert.

  1. Oh, ist das schön! 😍 Da lernt man ja ganz neue Seite an dir kennen. 👆🏻Freue mich schon auf die…